Niloufar Shirani

Foto: Hadi Ghobad

Niloufar Shirani

Malerei & Skulpturen

Vita

Zwei Frauen flüstern im Geheimen miteinander: „Niemand erinnert sich an Aji Dahak. Doch noch heute schlängelt er sich durch unsere Knochen und frisst die Gehirne der Menschen.“

Wir müssen wachsen, wir müssen vergessen, wir verlieren zu jeder Zeit Informationen, wie in dem Moment, in dem ich Persisch schreibe und du Deutsch liest: اگر فارسی بنویسم verlierst du Informationen. In der Übersetzung geht immer etwas verloren. There is no time to lose. Der Orient ist nach Europa gekommen. In jedem kleinen Koffer von jedem orientalischen Einwanderer steckt eine alte Gottheit. Die Götter des Ostens kommen nach Deutschland mit all ihren fantastischen Rätseln. Kann man den Orient vergessen? Wie ist Vergessen möglich, wenn der Osten im Herzen Europas angekommen ist?

Auszug aus dem Vorwort von Niloufar Shirani zu ihrer Masterarbeit Rudimente

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Malerei (Auswahl)

Skulpturen (Auswahl) Fotos: Helge Articus website

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Aktuelles

Technische Daten
– Die Konferenz der Vögel
– 2020
– Größe (H x B x L): 120 cm x 160 cm
– Technik: Öl auf Leinwand

LfA-Kunstkalender 2021 – Kalenderblatt Oktober
Die Konferenz der Vögel

Das Bild, das uns die im Iran geborene Niloufar Shirani präsentiert, wirkt wie eine Bühne. Es gibt viel zu sehen. Bunt und exotisch präsentieren sich die im Titel genannten Vögel, vom Pelikan links bis zum roten Papagei rechts. Einer scheint auf dem Hals einer weiblichen Figur zu hocken, die neben einer weiteren Frauengestalt rechts auf dieser vermeintlichen Bühne steht. Auch bei der linken Figur wird der Kopf verdeckt, jedoch durch eine unbestimmbare organische Wucherung, eine exotische Pflanze vielleicht. Die rechte Frau in hellem Kittel streckt eine behandschuhte Hand aus, als wolle sie etwas ertasten. Hängt an ihrem Unterarm eine Maske, wie sie jetzt alltäglich zur Eindämmung der weltweiten COVID-19-Pandemie zu sehen ist, die das öffentliche Leben und damit auch die Jahresausstellungen der Kunstakademien zu drastischen Einschränkungen zwang? Auf ihrem Hals jedenfalls sitzt der erwähnte Vogel, rabenartig, vielleicht eine Elsterdohle, und sein Auge scheint uns anzublitzen. Lässt Alfred Hitchcock grüßen?

Der Titel des großformatigen Gemäldes zitiert zugleich eine Dichtung aus der Heimat von Niloufar Shirani, dem heutigen Iran. Der Mystiker Fariduddin Attar schuf sie Anfang des 13. Jahrhunderts und sie wurde zu einem der bedeutendsten Werke persischer Literatur. Die Vögel suchen ihren König und am Ende erkennen die Wenigen, die dieses Unternehmen überleben, dass sie selbst der König sind. Shirani platziert die literarische Anregung in eine Malerei, die wiederum ihre Wurzeln in der europäischen Kunstgeschichte hat. Es entsteht eine Art west-östlicher Diwan, der allerdings Medien übergreifend angelegt ist. Die Andeutung eines Vorhangs links, das tempelartige kleine Gebäude am Horizont, überhaupt die Anordnung der exotischen Vögel erinnert an barocke Inszenierungen, aber auch Werke des Surrealismus des 20. Jahrhunderts. Shirani eignet sich die Stilmittel an, verbindet sie und aktualisiert sie mit zeitgenössischen Requisiten wie einem Rollwagen, der an ein Krankenhausutensil erinnert. Und immer wieder übernimmt die Malerei selbst das Kommando, verwischt Ränder, schafft weiche Übergänge, verbindet Raum, Figur und Objekt durch großzügig variierende Flächen. So wird aus der malerischen Tradition Gegenwart, die Kulturen verbindet.

Text: Jochen Meister

Zur Homepage von Niloufar:
www.niloufarshirani.com

Zum Video Interview bei der LfA:
lfa.de/…/2021/kalenderOktober/